Zaungast

Ich hatte meinen Nachbarn aus der Ferne gegrüßt, er winkt nur zurück, aber seine Frau hält mich auf und kommt an den Zaun.

“Sagen Sie, sind Sie am soundsovielten Mai zuhause?”

Ich ahnte Böses. Ein Einladung zum Grillen? Davon hatten wir es mal. Klar könnte man das mal machen, sich kennenlernen, immerhin hatten die mir seinerzeit erlaubt den Baustrom aus deren Leitungen zu zapfen und Dietmar hatte ja nicht gespart und denen einen riesigen Stromzähler an die Wand getackert und die hatten nicht mal gezuckt. So richtig kennen gelernt hatten wir uns bisher jedoch nicht. Selbst bei ihren Vornamen würde ich passen müssen.

“Ähm.” Ich versuchte Zeit zu schinden. Wollen wir wieder was von der Eiche absägen? “Etwas lichten” hatte er damals gesagt und dass es ja uns beiden zu Gute kommen würde, er hätte da einen Freund, der hat einen Schein für eine Kettensäge, nicht ganz ungefährlich, die Benzin betriebenen. Ich hatte mich dann mit unter die Eiche gestellt, die genau auf unserer gemeinsamen Grundstücksgrenze steht, vor uns stand der alte Wohnwagen mit dem Plastikdach darüber, auf dem im Herbst immer so schön die Eicheln klackerten. Ich war bereit zu tun, was immer von mir erwartet wurde, immerhin war der Freund mit dem Kettensägenschein ja in den Baum geklettert. Nach den ersten gezielten Schnitten raste ein mannsgroßer Ast durch das Wellplastikdach und blieb im Dach des Wohnwagens stecken, der darunter stand.

“Ja, ich glaub, ich bin da, bin nicht ganz sicher.” So ist es gut, eine Hintertür offen lassen. Vielleicht gibt es ja nur eine kurze Zeremonie für Kater Paulchen, dem es letztens nicht so gut ging und der auch schon reichlich verwest aussah, wie er da in der Ecke hockte und von der weißen Schweizer Schäferhündin zusammengekläfft wurde. Am nächsten Morgen hatte ich den Nachbarn beobachtet, wie er die Katzenkiste auf der Mülltonne abstellte und den Spaten wieder in den Schuppen brachte.

“Also”, sagt sie, “wir haben ja alle anderen Nachbarn eingeladen. Ich habe ja Geburtstag und das feiern wir in diesem Restaurant, das ist ja nicht grad um die Ecke.” Ich lag also richtig. Nachbarn-Bonding. Puh. Naja, ich werde erstmal nicken und zusagen und am Ende tut’s vielleicht ein kleines Mitbringsel und eine Grillwurst, die über den Zaun gereicht wird.

“…und da wollten wir Sie fragen, ob Sie vielleicht auf die Hunde aufpassen könnten.” Was? Moment. Wie, alle anderen Nachbarn sind eingeladen…?

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